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Der Schattenwolf – Ein Leben nach dem Tod

  • Autorenbild: malina
    malina
  • 4. Aug. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 30. Dez. 2025



New York, USA: Zwei junge Wölfe auf einer verschneiten Lichtung. Die beiden großen Tiere haben dichtes weißes Fell und einen aufmerksamen Blick.

Vor dem geistigen Auge erscheint Familie Stark von Winterfell, denn die beiden Tiere sehen den Schattenwölfen aus der Serie „Game of Thrones“ zum Verwechseln ähnlich.

Nur – wir befinden uns weder mitten in den Dreharbeiten zur Serie (hier wurden die ausgewachsenen Wölfe mit dem Computer animiert) und wir machen auch keine Zeitreise, denn Schattenwölfe* sind schon seit 10.000 Jahren ausgestorben.

Was ist passiert?


Das Frankenstein-Instrument der Gentechnik


Die beiden Wölfe, sie werden Remus und Romulus genannt, sind das Ergebnis moderner Gentechnik. Die Forscher nutzten dabei die Methode der molekularen Genschere*2. Wie der Name vermuten lässt, schneidet man buchstäblich bestimmte Sequenzen der DNA heraus und setzt andere dafür ein.

Die Bedeutung dieser Technik kann man eigentlich kaum in Worte fassen.

Ein Versuch: Der Bauplan unseres Körpers ist in Form von DNA gespeichert. Er wird immer wieder abgelesen und in die kleinsten Bausteine (Proteine) umgesetzt, um „die Maschine“ am Laufen zu halten.

Angenommen, man bastelt nun an der DNA jeder einzelnen Zelle eines Embryos herum.

Zum Beispiel könnte die Information für ein Protein eingesetzt werden, das im Dunkeln leuchtet. Man müsste nie wieder eine Taschenlampe dabeihaben.

Oder vielleicht noch zwei Arme mehr? Dann wäre Multitasking keine Illusion mehr.

Diese Erhöhung menschlicher Fähigkeiten á la Victor Frankenstein ließe sich beliebig auch auf andere Bereiche ausdehnen.

So leicht ist es in der Realität allerdings (noch) nicht. Die Welt unseres molekularen Bauplans ist komplex und die meisten Eigenschaften beruhen auf einem Zusammenspiel mehrerer Kapitel dieses Plans.

Dennoch ist es Forschern gelungen, etwa 14 Gene eines heute lebenden Grauwolfes so zu verändern, dass Merkmale eines ausgestorbenen „Schattenwolfes“ dabei herauskamen.

Das Start-Up „Colossus“, quasi die Mutter von Romulus und Remus, hat für die charismatischsten Vertreter der fossilen Welt schon weitere monströse Pläne. Im bizarren Zoo der Zukunft können wir Mammuts, Dodos und Beutelwölfe besichtigen.


Unsere Rettung?


Colossus möchte sich im Kern das Image eines Weltretters anziehen und verspricht nicht weniger als eine Lösung für das Dilemma des weltweiten Artensterbens – De-Extinction: Aussterben rückgängig machen.

Seitdem der Mensch die Erde mehr und mehr für sich beansprucht, steigt die Zahl der vom Aussterben bedrohter oder ausgestorbener Arten sprunghaft an.

Klar ist, dass der Verlust zweifelsfrei ebenso bedeutend, wenn nicht unmittelbar bedeutender für unser Überleben ist als der Klimawandel allein. Beides ist eng miteinander verwoben.

Die Vielfalt an Lebewesen hat sich über Millionen Jahre entwickelt und viele Arten übernehmen wichtige Aufgaben in Ökosystemen.

Man stelle sich zum Beispiel vor, es gäbe niemanden mehr, der den Müll entsorgt – der Boden enthält eine Vielzahl von Organismen, die alles Heruntergefallene zersetzen und Nährstoffe für die Pflanzen wieder verfügbar machen. Keine Bodenorganismen – kein Pflanzenwachstum. Das Beispiel von bestäubenden Insekten ist noch populärer. Keine bestäubenden Insekten, wie (Wild-)bienen – diverse Lebensmittel würden fehlen.

Aber auch unter den Größeren und Größten gibt es so genannte „Schlüsselarten“ (fällt der Schlüssel weg, kann das gesamte Ökosystem zusammenbrechen). Igel fressen zum Beispiel Pflanzenschädlinge, die andererseits ganze Ernten vernichten würden. Elefanten graben in der Savanne nach Wasser und schaffen so Wasserlöcher für andere Tierarten.


Die Existenz des Menschen steht auf einem Gerüst aus vielen verschiedenen Arten.

Man kann es sich wie ein Ökosystem-Jenga vorstellen. Je mehr Arten wir (in Form von Spielsteinen) aus dem Turm herausziehen, desto wackeliger wird er. Irgendwann ist der kritische Punkt erreicht und alles stürzt in sich zusammen. Der bedeutende Unterschied: Wir sitzen in Wirklichkeit nicht vor dem Spiel, sondern mittendrin. Also eher Jumanji.

Der Zusammenbruch betrifft unser Überleben ganz unmittelbar.

Angesichts der Geschwindigkeit, mit der Arten um uns herum verschwinden, erscheint es doch mindestens fragwürdig, ob künstlich erzeugte Hybrid-Wölfe/-Dodos-/Beutelwölfe/-Mammuts hier den Unterschied machen könnten.

Das wäre so, als wenn man versucht den Jenga-Turm mit Monopoly-Figuren zu stützen.


Der Erfolg von Colossus führt uns vor Augen, was in Zukunft alles mit Gentechnik möglich sein wird. Wir können an Lebewesen herumbasteln und werden wahrscheinlich auch verschiedene Probleme lösen (und verursachen).

Das Sterben der Arten, und das damit einhergehende Zusammenfallen von Ökosystemen, lässt sich aber nur durch den Schutz ebendieser erreichen.



*engl. Dire Wolf, deutsch häufig als „Schreckenswolf“ benannt

*2wissenschaftlich korrekt „CRISPR-Cas 9-System“ genannt



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